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Erich Honecker

ZDF

Ein deutscher Lebensweg. Eine mustergültige kommunistische Karriere. Ein bis zum letzten Atemzug unerschütterlicher Glaube an einen historischen Irrweg. Nicht der Hauch eines Selbstzweifels oder gar von Reue. Erich Honecker war das, was man einen Betonkopf nannte. Ebenso unbeugsam gegenüber den Nazis, die ihn ins Zuchthaus steckten, wie den Zweiflern und Abweichlern in den eigenen Reihen. Und er verkörpert auch heute noch – fast zehn Jahre nach seinem Tod und mehr als eine Dekade nach ihrem Untergang – „seinen“ Staat, die DDR. Der 1912 geborene Saarländer regierte den ostdeutschen Staat fast zwei Jahrzehnte und führte ihn dabei in den Zusammenbruch. Er verschloss sich, nachdem er als „Modernisierer“ den verhassten Ulbricht gestürzt hatte, mehr noch als dieser jeder Reform, zementierte die Diktatur und ließ einen Personenkult um sich inszenieren, der an Stalinsche Zeiten erinnerte. Mit ihm verbindet sich der Mauerbau und der Schießbefehl an der deutsch-deutschen Grenze genauso wie der Versuch, die preußisch-deutsche Geschichte selektiv für die DDR zu reklamieren und diese geschickt international aufzuwerten. Visionen hatte der Apparatschik wenige, am ehesten die, dass die Mauer auch noch in hundert Jahren stehen werde. Unter seiner Ägide wurde die Stasi zur allumfassenden Krake, die sogar ihn selbst bespitzelte. Sein Erbe ist heute noch spürbar – in der nachwirkenden Misswirtschaft der ehemaligen DDR ebenso wie in ihrer selbstbemitleidenden Verklärung als „Anschlussopfer“.

In dieser Dokumentation soll der Lebensweg des Parteisoldaten Honecker, Spross einer Neunkirchener Bergmannsfamilie, der als zehnjähriger seine politische Laufbahn begann, an Hand von filmischen Dokumenten und Zeitzeugeninterviews zurückverfolgt werden. Familienmitglieder, ehemalige Freunde und Gegner wie Heinz Kessler, Günter Schabowski, Wolf Biermann u.a. geben in dieser Dokumentation Auskunft über einen prinzipienfesten Opportunisten, der skrupellos Freunde und Feinde beiseite räumte, wenn sie seinem Aufstieg im Wege waren. Selbst die Affäre des verheirateten FDJ-Chefs mit der attraktiven Margot Feist im Jahr des DDR-Volksaufstandes konnte seiner sorgsam geplanten und abgesicherten Parteikarriere nicht nachhaltig schaden. Honecker erledigte die „Dreckarbeit“ für Ulbricht, schwärzte Zweifelnde an, kannte den Apparat wie kein Zweiter, entledigte sich erfolgreich sämtlicher Widersacher, bis er Ulbricht 1971 mit Hilfe der Sowjets aufs Altenteil abschob. Doch 1989 verlächelte er – sein größter Irrtum, aber auch, weil er keine andere Chance für sich sah – die Reformen Gorbatschows als vorübergehende Verirrung und löste dadurch erst die friedliche Revolution auf den Straßen der DDR aus, die ihn als Symbol des gescheiterten realen Sozialismus aus dem Sessel warf. Sein trauriges Ende im chilenischen Exil 1994 war das eines Unverbesserlichen, der den Bezug zur Realität schon viel früher verloren hatte.

 

Peter Hartl und Dr. Thomas Schuhbauer Guido Knopp Jörg Kunkel, Udo Jordan, Achim Seegebrecht 10.06.03 um 20.15 Uhr (45 min.), ZDF ZDF
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